Friday, July 14, 2006

Definition von Kunst: Stil ist die eigentümliche Form eines Kunstwerkes. Stilisieren hingegen bedeutet das bewußte oder unbewußte künstlerische Abändern von Formen und Äußerungen der Natur. Alle Kunst ist insofern impressionistisch als sie auf Eindrücken von außen beruht. Denn ihnen kann sich niemand entziehen. Das so entstandene Kunstwerk ist das in ununterbrochener Folge eingeschltete Verbindungsglied zwischen Welt und Mensch.
Der Expressionismus hingegen - naiv oder raffiniert - glaubt mit möglichster Beiseitelassung äußerer Eindrücke aus der Seele heraus unmittelbar Kunstwerke schaffen zu können, die zuletzt mit der Umwelt in fast keiner Verbindung mehr zu stehen scheinen. Reiner Expressionismus wäre Kunst der Metaphysik. Da nun der absolute Raum Inhalt der Metaphysik ist, wird die Erscheinung z.B. des Kubismus psychologisch verständlich. Da weiter der absolute Raum ein gleichzeitiges Kontinuum bildet, kann man auch der Absicht moderner Künstler näher kommen, wenn diese den Versuch wagen, Aufeinanderfolgendes in den Raum zu bannen, wie das bei einfachen Legendenmalern des Mittelalters bereits gelegentlich zu beobachten ist. Da die Werke hoher bildender Kunst aber eigentlich zeitlos sind, indem sie nur einen Zeitpunkt festhalten, ist die Verquickung von Raum und Zeit in der bildenden Kunst an ein und demselben Werke ein Merkmal des Primitiven oder eine gewollte Rückkehr dazu.
(zitiert nach Dr. Med et phil Walter Lehmann, Altmexikanische Kunstgeschichte, Orbis Pictus, Seite 19)
Diese Gedanken habe ich bei der Recherche über mexikanische Kunst gefunden und ich bin fasziniert von der Klarheit der Gedanken, die Dinge berühren, die die zeitgenössische Kunstkritik gerne auslässt, nämlich die Frage nach der Kunst an sich. Der Diskurs über die Inhalte und Hintergründe kommt in den meisten Publikationen über Kunst zu kurz. Was diskutiert wird ist der Marktwert, die Zugehörigkeit zu einem Stil oder eventuelle Vorbilder. Ich respektiere die sogenannte Leipziger Schule nicht pauschal, denn der jeweilige Ansatz geht unter in dem oberflächlichen geografischen Zusammenschluss.

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